Im Vergleich zu anderen Braunviehschlägen
hatte der Allgäuer das geringste Gewicht (8-10 Zentner), was
für die steilen, hohen und oft schwer zu begehenden Allgäuer
Alpen von Vorteil war. Ihr einfarbiges Haarkleid reichte von
schwarzbraun bis zum hellsten weißgrau oder weißgelb. Die
dachsgrauen Rinder überwogen jedoch, weswegen man auch vom
"Allgäuer Dachs" sprach. Schwarze Hornspitzen, helle
Haarbüschel in den Ohren und das weißumsäumte, dunkle
Flotzmaul, sowie der unverkennbare Aalstrich auf dem Rücken waren
markante Kennzeichen. Das Allgäuer Vieh zeichnete sich vor allem
durch seine Milchergiebigkeit, Zugtüchtigkeit, Langlebigkeit und
seinen vergleichsweise geringen Futterbedarf aus.
Vor dem 19. Jahrhundert war die Rinderzucht die
wichtigste Erwerbsquelle im Allgäu. Als im Jahr 1800 die
Rinderpest auch ins Allgäu kam, Krieg, Hungersnöte und
Missernten die Menschen verarmten, linderten die Bauern ihre Not durch
Verkauf von guten Allgäuern Kühen und Kälbern, die sie
im Gegenzug durch schlechtere Tiere anderer Rassen ersetzten.Etwa 1830
kam die Milchwirtschaft im Allgäu auf. Die große Nachfrage
nach Käse (Emmentaler und Limburger) ließ viele Sennereien
entstehen, die die Bauern durch steigende Milchpreise zur
Milcherzeugung animierten. Dabei wurde das gute Jungvieh verkauft und
dieKälberaufzucht vernachlässigt. Um mehr Milch an die
Käsereien liefern zu können kauften sie billige
Milchkühe anderer Rassen, das das Allgäuer Braunvieh ersetzte
und mit ihm gekreuzt wurde. Diese Entwicklung führte weitgehend
zum Niedergang der Allgäuer Braunviehzucht.
Erst die Gründung von Zuchtverbänden
schaffte die Voraussetzung für eine systematische und einheitliche
Zucht. Die 1893 gegründete Allgäuer-Herdbuch-Gesellschaft
importierte dann Zuchtstiere des verwandten Schweizer Braunvieh und
paarte diese mit dem Restbestand des Allgäuer Braunviehs. Die
Zuchterfolge waren bescheiden und erst Mitte des 20. Jahrhunderts
ließ sich durch moderne Zuchtmethoden und einer verbesserten
Futtergrundlage die Milchleistung in den Allgäuer
Herdbuchbetrieben auf durchschnittlich 6500 kg verdoppeln.
Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde im
Allgäu begonnen die amerikanische Milchrasse "Brown Swiss"
einzukreuzen. Die Aussicht auf eine an die standartisierten Haltungs-
und Fütterungsbedingungen angepasste Rinderrasse mit einer
schnellen Leistungssteigerung verdrängte das bodenständige
Allgäuer Braunvieh beinahe vollkommen.
Heute gibt es noch ca. 160 Muttertiere des reinen
Allgäuer Braunvieh ohne Brown-Swiss-Blutanteil.